Belichtungskorrektur

Belichtungskorrektur

Einfluss auf die automatische Belichtung

Der Belichtungsmesser einer Kamera hat die Aufgabe, dass gemessene Motiv auf eine durchschnittliche Helligkeit abzubilden. Enthält das Motiv gleich viele dunkle und helle Stellen funktioniert diese Idee auch sehr gut und führt zu ausgeglichener Belichtung.

Sobald aber das Motiv heller oder dunkler als der Durchschnitt ist muss entweder anders gemessen oder der gemessene Wert korrigiert werden. Im letzteren Fall spricht man von Belichtungskorrektur, einer Funktion, die ziemlich jede digitale Kamera über einen Knopf (+/-), ein Einstellrad oder im Menü bietet.

Bedeutung der Korrekturwerte

Eine Korrektur kann in beide Richtungen erfolgen: heller oder dunkler. Korrekturen ins hellere werden mit positiven Zahlenwerten angegeben, Korrekturen ins dunklere mit negativen. Ein Wert von +1 enspricht dabei einem sog. Blendenwert, es wird exakt doppelt so hell belichtet (doppelt so viel Licht aufgenommen), wie ohne Korrektur. 

Ein Wert von +2 entspricht einer zweimaligen Verdopplung der Helligkeit, es wird also viermal so hell belichtet, wie ohne Korrektur. Ein Wert von +3 führt entsprechend zu einer acht mal so hellen Aufnahme.

Für dezentere Korrekturen lassen die meisten Kameras Abstufungen in 1/3 Stufen zu. Sollte eine Situation eine so starke Korrektur benötigen, dass der Wertebereich der Kamera nicht ausreicht, dann hilft nur eine manuelle Einstellung im Modus M.

Ein Motiv verschieden hell belichtet

In der starken Gegenlichtsituation ist der Kontrastumfang des Motives zu hoch, um in einer Aufnahme erfasst und wiedergegeben zu werden. Der Fotograf muß sich entscheiden, ob er Struktur, Farben und Detailreichtum im hellen Himmel oder im dunklen Vordergrund und der Industrieanlage zeigen möchte.

Die Abkürzung EV steht für exposure value und wird genutzt, um die gewählte Belichtungskorrektur anzugeben. Der Wert 0 entspricht dabei keiner Korrektur, also quasi „aus“.

Funktion und Wirkung der Belichtungskorrektur

Anpassung von Belichtungszeit, Blende oder ISO

Die Korrektur soll die Bildhelligkeit durch angepasste Belichtung ändern. Dazu gibt es in einer Kamera grundsätzlich drei technische Möglichkeiten:

  1. Die Kamera verlängert oder verkürzt die Belichtungszeit
  2. Die Kamera öffnet oder schließt die Blende um den angegebenen Wert.
  3. Die Kamera verändert die ISO-Empfindlichkeit des Sensors (Modus M mit ISO-Automatik)

Wenn die Kamera in einem Automatikmodus z. B. Blendenvorwahl (Zeitautomatik) genutzt wird, dann wird die Belichtungskorrektur den vom Fotografen vorgegebenen Wert (Blende) nicht verändern, sondern stattdessen die Belichtungszeit anpassen. Es wird üblicherweise immer der Wert verändert, der nicht vom Fotografen vorgegeben wird. 

Wenn die Kamera im Modus Zeitvorwahl (also Blendenautomatik) genutzt wird, dann würde entsprechend der Korrektur der ermittelte Blendenwert angepasst. Dies hat jedoch auch Auswirkungen auf die Tiefenschärfe im Bild, sollte also bedacht werden.

Wird die Kamera im Modus M genutzt, werden sowohl Zeit als auch Blende vom Fotografen vorgegeben. Hier steht oft die Belichtungskorrektur gar nicht zur Verfügung – da ja einfach Zeit oder Blende entsprechend manuell anders gewählt werden könnten, oder die Kamera regelt den ISO-Wert nach, um die gewünschte Korrektur zu erzielen.

Veränderte Bildwirkung durch angepasste Belichtung

Die Bildreihe zeigt ein Treppenhaus in einem alten Gefängnisflur. Obwohl die Wände alle weiß gestrichen sind, kann durch verknappte Belichtung der Eindruck eines dunklen Kerkerganges erweckt werden.

Die Belichtungskorrektur ist also auch ein gestalterisches Mittel in der Fotografie.

Motive, die ohne Korrektur „falsch“ belichtet werden

Der Belichtungsmesser der Kamera ist darauf aus, jedes Motiv „durchschnittlich hell“ zu belichten. Bei Motiven, die sowohl helle als auch (gleich viele) dunkle Bildpartien aufweisen ist diese Idee des Mittelwertes auch sinnvoll und führt zu ausgeglichen belichteten Fotos.

Sobald aber das Motiv von der Durchschnittlichkeit abweicht, also hauptsächlich aus sehr hellen oder nur aus dunklen Partien besteht, führt dieses Konzept zu einer Fehlbelichtung. Die Kamera würde das Motiv ebenfalls so belichten, dass es auf dem Foto durchschnittlich hell erscheint, ein helles Motiv würde also zu dunkel (mittelhell statt weiß) und ein dunkles Motiv würde zu hell (mittelgrau statt schwarz) wiedergegeben werden.

Beispiel: ein dunkles Motiv

Ohne Korrektur werden sog. Low-Key Motive, also Bilder, die hauptsächlich aus dunklen Tönen bestehen, vom Belichtungsmesser der Kamera falsch bewertet und zu hell wiedergegeben. Das Bildmotiv soll eben nicht durchschnittlich hell belichtet werden, sondern zum Motiv passend dunkel. 

Angepasste Belichtung

Low-Key Motiv

Werden also dunkle Motive fotografiert oder soll die Dunkelheit der Umgebung auch entsprechend dargestellt werden, muss ins negative korrigiert werden.

In diesem Beispiel führte eine Korrektur von -1.3 EV zum gewünschten Ergebnis.

Häufige Situation

Bei Nachtaufnahmen z. B. wird oft eine Belichtungskorrektur zwischen -1 und -2 genutzt, damit der dunkle Himmel überhaupt dunkel abgebildtet wird.

Fehlmessung bei überwiegend hellem Motiv

Motive, die fast nur aus hellen Tönen bestehen, führen den Belichtungsmesser ebenfalls in die Irre. Er wird eine zu knappe Belichtung ermitteln und das Bild wird entsprechend unterbelichtet, so dass die durchschnittliche Helligkeit des Fotos wieder bei 50% liegt.

Ohne Belichtungskorrektur werden also z. B. Schneelandschaften zu dunkel wiedergegeben. Dies lässt  sich mittels Histogramm direkt vor Ort an der Kamera kontrollieren, so dass ein passender Wert für die Belichtungskorrektur (+1 bis +2) für die kommenden Aufnahmen eingestellt werden kann.

Falsch belichtetes Foto im Schnee
Fehlbelichtetes Foto
Histogramm eines unterbelichteten Fotos
Histogramm zeigt Unterbelichtung
Foto im Schnee mit Belichtungskorrektur
Foto mit Belichtungskorrektur +1.3

Fazit

Die Nutzung der Belichtungskorrektur gehört zum alltäglichen Fotografieren dazu. Sie sollte geübt werden, so dass sie in typischen Situationen ohne großes Nachdenken von der Hand geht (wie vor dem Abbiegen den Blinker setzen und nicht lange suchen, wo der Hebel am Lenkrad ist).

Mit etwas Übung und Erfahrung werden schnell typische Situationen erkannt und ein geratener Korrekturwert als Ausgangspunkt für das erste Bild genutzt: bei Nachtaufnahmen pauschal bei -1 EV starten, bei Schneelandschaften bei +1.3.

Eine gute Grundregel bei digitalen Kameras ist es, die Korrektur soweit einzuregeln, dass das Histogramm des Bildes sich möglichst weit nach rechts erstreckt, ohne jedoch sich am rechten Rand aufzutürmen (was eine Überbelichtung anzeigen würde). Diese Technik wird im Englischen als ETTR (exposure to the right) bezeichnet und geht von der Idee aus, vor Ort eine technisch perfekte Belichtung zu erreichen und die gewünschte Stimmung des Motivs final am Computer einzuregeln.

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