Das Histogramm – Teil 2

Das Histogramm – Teil 2

Beispielszenarien

Wie im Artikel Histogramme – Teil 1 erklärt, zeigen die Pegel im Histogramm, die Menge der jeweiligen Helligkeiten zwischen Schwarz und Weiß. Dieser Artikel zeigt an Beispielbildern die entsprechenden Histogramme und erklärt, worauf beim Ablesen und ggf. beim Belichten zu achten ist.

Hoher Kontrast draußen

Die folgende Aufnahme zeigt eine dunkel gekleidete Person vor sehr hellem Hintergrund. Die Kamera hat bei der Wahl der Belichtung auf den dunklen Vordergrund geachtet und diesen sehr detailreich wiedergegeben. Der helle Schnee im Hintergrund jedoch ist überbelichtet worden und im Foto nur noch eine strukturlose papierweiße Fläche.

Beispielfoto im Schnee
Motiv mit hohem Kontrast
Histogramm zum Beispielfoto im Schnee
Histogramm zeigt Überbelichtung an

Fehlbelichtung im Schnee

Wenn der helle Schnee nicht durch einen dunklen Bildteil ein Gegengewicht bekommt, wird die Kamera für gewöhnlich den Schnee zu dunkel wiedergeben. Der Belichtungsmesser hat die Aufgabe, jedes Motiv „durchschnittlich“ hell zu belichten. Besteht das Motiv jedoch zum größten Teil aus sehr hellen Stellen (Schnee und Himmel), dann führt dieses Verfahren dazu, dass der Schnee mittelhell statt knapp vor weiß abgebildet wird.

Falsch belichtetes Foto im Schnee
Fehlbelichtetes Foto
Histogramm eines unterbelichteten Fotos
Histogramm zeigt Unterbelichtung
Foto im Schnee mit Belichtungskorrektur
Foto mit Belichtungskorrektur +1.3

Niedriger Kontrastumfang

Ein Histogramm muss nicht immer vom linken bis zum rechten Rand reichen. Es gibt Motive, die einen geringen Kontrastumfang aufweisen und so auch völlig korrekt abgebildet werden. Eine Landschaftsaufnahme im Nebel z. B. wird kaum tiefe dunkle Töne aufweisen und somit auch keine schwarzen Schatten.

kontrastarmes Motiv im Regen
Foto mit wenig Kontrast
Histogramm eines flauen Bildes
Histogramm zeigt geringen Umfang

Hohen Kontrastumfang meistern

Ist der Motivkontrast höher als von der Kamera zu bewältigen ergibt sich meist ein Bild das sowohl unter- als auch überbelichtet ist. Hier muss sich der Fotograf entscheiden, ob er die hellen oder dunklen Stellen im Bild im Foto mit Struktur zeigen möchte. Über die Belichtungskorrektur an der Kamera kann diese Wahl getroffen werden. Die folgende Aufnahme wurde aus den Schatten heraus gegen das helle Sonnenlicht aufgenommen und zeigt den blauen Sommerhimmel bereits überbelichtet weiß, sowie die Bäume und Mauer im Vordergrund deutlich unterbelichtet.

Beispielbild mit hohem Kontrast
Gegenlichtaufnahme
Histogramm eines Bildes mit (zu) hohem Kontrast
Unter- und Überbelichtung

Hoher Kontrastumfang mit nachträglicher Aufhellung

Unterbelichtete Bildstellen lassen sich bei digitalen Aufnahmen oft erstaunlich gut wieder sichtbar machen. Viele Bildbearbeitungsprogramme wie Photoshop oder Lightroom bieten dazu einen Regler zum „Schatten aufhellen“. Dieser Befehl kann etwas, was die Kamera vor Ort nicht kann. Die dunklen Stellen werden korrigiert, die hellen Stellen des Bildes bleiben jedoch unverändert.

Da dies so einfach funktioniert haben sich einige Techniken weit verbreitet:

  • Der Fotograf achtet bei der Belichtung nur auf die hellen Stellen und vermeidet eine Überbelichtung. Danach wird in der Bildbearbeitung der zu dunkle Teil wieder aufgehellt.
  • Die Kamera bietet genau diesen Trick selbst an. Bei Nikon z. B. nennt sich diese Funktion „Active Lighting“ – hier wird die Aufnahme bereits von Seiten der Kamera etwas dunkler belichtet und dann automatisch in den dunklen Stellen wieder aufgehellt.
  • Wenn der Kontrastumfang selbst hierfür einfach zu groß ist kann mittels HDR-Software eine Belichtungsreihe am Computer kombiniert werden, die von viel zu dunkel bis viel zu hell alle Belichtungen eingefangen hat und somit alle Bildstellen in einer der Aufnahmen „richtig“ belichtet wurden.

Beispiel ohne und mit Nachbearbeitung

dunkle Skulptur im Schatten
Originalaufnahme
Aufgehelltes Foto
Schatten per Software aufgehellt

In der Beispielaufnahme wurde so belichtet, dass der Himmel und die hellen Bodenstellen nicht in die Überbelichtung gelangten. Dadurch wurde der dunkle Vordergrund jedoch zunächst zu dunkel wiedergegeben. In Adobe Lightroom wurde nachträglich die Bildvariante erzeugt, in der die Schatten deutlich aufgehellt wurden.

High-Key Motive

Motive, die überwiegend aus sehr hellen Tönen bestehen, werden High-Key genannt. Sie sollten natürlich auch im Foto so belichtet sein, dass sie mit überwiegend hellen Tönen wiedergegeben werden. Der Unterschied zu einem Foto, dass einfach (zu) hell belichtet wird liegt hier an den Helligkeiten des Motivs.

Da die Belichtungsmessung in der Kamera bei solchen Motiven meist zu einer zu dunklen Wiedergabe führt, muss eine Belichtungskorrektur vorgenommen werden, so dass die hellsten Stellen möglichst hell, jedoch ohne Überbelichtung belichtet werden. 

Bei der Wahl des Motives und der Belichtung ist darauf zu achten, dass durch (kleine) dunkle Schatten oder Details ein Gegensatz im Bild existiert, sonst sähe das Motiv vermutlich überbelichtet und flau aus.

High-Key Motiv in Papier
High-Key Motiv
Histogramm eines Highkey-Motives
Überwiegend helle Töne, aber auch wenige dunkle

Low-Key Motiv

Besteht das Motiv überwiegend aus sehr dunken Tönen, entsteht ein sog. Low-Key Bild. Auch hier sollte darauf geachtet werden, dass im Bild einige wenige helle oder farbige Stellen einen Gegensatz bieten, da sonst der Eindruck eines unterbelichteten Bildes entsteht. 

Die Belichtungsmessung in der Kamera lässt sich von solchen Motiven ebenfalls meist in die Irre führen und versucht, dass Bild ausgeglichen hell wiederzugeben, was zu einer Überbelichtung führt. Hier muss also eine entsprechende Belichtungskorrektur (negative Werte) vorgenommen werden oder manuell nach Histogramm belichtet werden.

Im Histogramm sollten entsprechend viele verschiedene dunkle Töne vorkommen, jedoch Spitzlichter (z. B. Lichtreflexe oder Glanzpunkte) im Motiv den hellen Gegensatz setzen. Hier ist darauf zu achten, dass diese wenigen hellen Stellen nicht überbelichtet werden.

Das folgende Beispielmotiv wurde so belichtet und beleuchtet, dass die dunkelsten Schatten im Schiefer komplett schwarz wurden. An den bildwichtigen Stellen wurde jedoch aufgehellt, dass die Schieferstruktur wieder sichtbar wurde.

Low-Key Motiv mit Angepasster Belichtung
Wunschbelichtung
Histogramm des Chilli-Bildes
Überwiegend dunkle Töne

Fazit

Das Histogramm bietet eine objektive Kontrolle, ob das Bild “korrekt” belichtet wurde. Aus künstlerischer Sicht muss ein Bild sicher nicht immer korrekt belichtet sein, um gut auszusehen, jedoch lassen sich auch am Computer leichter Informationen nachträglich wegwerfen, als hinzufügen. Es ist also nie verkehrt, mit einem Bild zu beginnen, das “korrekt” belichtet wurde, und sowohl in den dunkelsten als in den hellsten Stellen noch Detailzeichnung enthält.

Speziell an der Digitalkamera ist das Histogramm ein unverzichtbarer Helfer. Im hellen Sonnenlicht lassen sich Bilder auf dem Monitor (egal ob Kameramonitor oder Notebook) kaum beurteilen, im dunklen Studio oder Nachts wirken selbst flaue unterbelichtete Aufnahmen zunächst schön bunt auf dem kleinen Bildschirm der Kamera.

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